Österreichische Ärztekammer – Pressekonferenz - News - Salzburg-Cityguide
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Österreichische Ärztekammer - Pressekonferenz
- Messezentrum Salzburg
Thema: Aktuelle Umfrage zeigt: Gemeindevertreter wünschen sich bessere Arbeitsbedingungen für Kassenärzte
Teilnehmer: Ing. Manfred Sampl ( Präsident des Salzburger Gemeindeverbandes und Bürgermeister von St. Michael im Lungau ) und OMR Dr. Silvester Hutgrabner ( Leiter des ÖÄK-Referates für Hausapotheken und Medikamentenangelegenheiten )
Gesundheit und ärztliche Versorgung sind die größten Herausforderungen für Gemeinden
Fast 70 Prozent der Gemeindevertreter wünschen sich bessere Arbeitsbedingungen für Kassenärzte, weil das die Zukunft ihrer Gemeinde positiv beeinflussen würde. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Kommunalverlages unter Bürgermeistern, Vize-Bürgermeistern, Amtsleitern, Gemeindemandataren und anderen Gemeindebediensteten, an der insgesamt rund 1000 Befragte teilgenommen haben.
Bei der Frage nach den größten Herausforderungen für die Gemeinden erzielte das Thema „Gesundheit und ärztliche Versorgung“ mit 4,79 den höchsten Wert – noch vor Kinderbetreuung (4,46) und Bildung (3,97). 36,2 Prozent der Teilnehmer sehen die ärztliche Versorgung ihrer Gemeinde in den kommenden fünf Jahren gefährdet, 15,1 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass es in ihrer Gemeinde keinen Kassenarzt mehr gibt. 82,2 Prozent der Teilnehmer ist die aktuelle Problematik bei der Besetzung von Kassenstellen bewusst. Die Lösung sehen die Gemeindevertreter in der Attraktivierung der Kassenmedizin. 68,9 Prozent stimmten zu, dass die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Kassenärzte die Zukunft der Gemeinde positiv beeinflussen würde. 56,6 Prozent würden die Erleichterung für die Gründung & Bewahrung von ärztlichen Hausapotheken begrüßen. Der Aussage „Die Möglichkeit für Ärzte, in ihrer Ordination auch Medikamente abgeben zu können, würde die Zukunft meiner Gemeinde positiv beeinflussen“, stimmten 56,7 Prozent der Teilnehmer zu.
„Die Ergebnisse der Umfrage zeigen uns, wie wichtig die Interaktion mit den Gemeindevertretern ist, für die die Ärztekammer seit mittlerweile fünf Jahren auch im Rahmen der Kommunalmesse und des Kommunalwirtschaftsforums den Dialog sucht“, schildert Silvester Hutgrabner, Leiter des ÖÄK-Referates für Hausapotheken und Medikamentenangelegenheiten. „Früher sagte man, die wichtigsten Leute im Ort sind der Bürgermeister, der Pfarrer, der Wirt und der Doktor. Auch wenn diese Aussage vielleicht nicht mehr ganz hundertprozentig haltbar ist, von der ärztlichen Versorgung hängt ein großer Teil der Zukunft einer Gemeinde ab“, sagt der Allgemeinmediziner. In einer Gemeinde ohne Arzt lasse der Zuzug deutlich nach – im Gegenteil nehme sogar die Abwanderung oft zu. „Wir müssen also gemeinsam daran arbeiten, dass die Kassenmedizin, speziell auch im ländlichen Bereich, wieder attraktiver wird. „Dafür brauchen wir flexiblere Kassenverträge, etwa mit Teilzeitangeboten, deutlich weniger Bürokratie und eine faire Honorargestaltung, die die Leistung der Ärztinnen und Ärzte direkt abbildet und nicht mit Deckelungen bestraft. Und ein wesentlicher Baustein sind vor allem am Land auch die ärztlichen Hausapotheken“, unterstreicht Hutgrabner. Denn würden nicht nur die ärztliche Tätigkeit am Land attraktiver machen, sondern seien auf vielen Ebenen äußerst sinnvoll für die Versorgung. „Zu allererst profitiert davon der Patient. Er bekommt direkt beim Arztbesuch sein Medikament und kann sich sofort seiner Genesung widmen, ohne dass er mühsam zur nächsten Apotheke fahren muss oder Freunde und Verwandte um Hilfe bitten muss. Wir alle wissen, wie mühsam es sein kann, sich am Land mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg zur nächsten offenen Apotheke machen zu müssen – wir reden hier nicht selten von zig Kilometern“, so Hutgrabner.
Eine aktuelle Studie habe den vielseitigen Nutzen von ärztlichen Hausapotheken bestätigt. Zum einen lassen sich dadurch die Wegzeiten der Patientinnen und Patienten für die Besorgung von Medikamenten deutlich reduzieren – das spart volkswirtschaftliche Kosten von zumindest 160 Millionen Euro. Die Umwelt wird entlastet, weil keine sinnlosen Wege mehr anfallen. Die privaten PKW-Fahrten zur Beschaffung von rezeptpflichtigen Arzneimitteln verursachen jährlich CO2-Emissionen von rund 30.000 Tonnen – schon aktuell ersparen ärztliche Hausapotheken über 14.000 Tonnen CO2. „Und auch wenn die Apotheken immer wieder den Teufel vom Apothekensterben an die Wand malen – die Studie sieht selbst durch einen Ausbau ärztlicher Hausapotheken die wirtschaftliche Existenz der öffentlichen Apotheken ungefährdet, zumal mit der geplanten Einführung des Impfens in Apotheken ohnehin mit einer finanziellen Verbesserung der Apothekengebarung zu rechnen ist“, sagt Hutgrabner, der in dieser Diskussion aber lieber den Patienten in den Vordergrund stellen möchte. „Wenn die Politik schon – entgegen der medizinischen Einschätzung der Ärztekammer - meint, dass es zusätzliche Impfstellen braucht, damit die Menschen leichter zu Impfungen kommen, warum erleichtert man dann auch den Menschen nicht auch den Zugang zu den Medikamenten, die sie dringend für ihre Genesung brauchen? Wir zwingen auch 2026 immer noch kranke Menschen, zig Kilometer mit Auto oder Bus zu fahren, um sich dort für ein paar Euro Medikamente kaufen zu dürfen – und das nur wegen der Lobbyarbeit der Apothekerkammer“, so Hutgrabner.
Für den ländlichen Raum attraktiv seien zudem die sogenannten Primärversorgungs-Netzwerke (PVN). Dabei behält jeder Arzt seinen Standort, es werden intensiv Synergien genutzt und die Standorte in den einzelnen Gemeinden und damit bleibt der niederschwellige Zugang für die Patientinnen und Patienten erhalten: „Aus unserer Sicht ist das eine optimale Lösung für den ländlichen Raum, während wir die Vorteile von Primärversorgungszentren eher in den Ballungsgebieten sehen“, sagt Hutgrabner. Aber: „Für den Fall eines PVN ist rechtlich nicht geregelt, was mit bestehenden Hausapotheken geschieht. Um sich dem Risiko des Verlustes der Hausapotheke bzw. einem langwierigen Rechtsstreit vor Gericht erst gar nicht auszusetzen, nutzen Ärztinnen und Ärzte aktuell die Möglichkeit des Zusammenschlusses zu PVN nur wenig, was ein Nachteil für den ländlichen Raum ist.“
Gemeinsame Anstrengung
„Die Gesundheitsversorgung ist eine der zentralen Aufgaben, bei denen die Menschen unmittelbar erleben, ob der Staat funktioniert“, sagt Manfred Sampl, Präsident des Salzburger Gemeindeverbandes und Bürgermeister von St. Michael im Lungau. „Gerade in den Gemeinden zeige sich, wie wichtig eine verlässliche und wohnortnahe medizinische Versorgung ist. Hausärzte, Apotheken, Pflege- und Rettungsangebote sind Teil einer Infrastruktur, die für die Lebensqualität in unseren Regionen entscheidend ist. Als Gemeinden wollen wir unseren Beitrag leisten, damit diese Strukturen auch künftig funktionieren. Das gehe von der Bereitstellung geeigneter Räumlichkeiten bis hin zu guten Rahmenbedingungen für Ärzte, die sich für eine Tätigkeit im ländlichen Raum entscheiden,“ so Sampl.
„Gleichzeitig müsse man offen darüber sprechen, was die Gemeinden leisten können und wo es gemeinsame Lösungen von Bund, Ländern, Sozialversicherung und Ärzteschaft braucht. Der österreichische Gemeindetag bietet dafür die richtige Plattform: Wir wollen darüber diskutieren, wie medizinische Versorgung auch in Zukunft flächendeckend, erreichbar und verlässlich bleibt. Entscheidend ist, dass wir dabei die Perspektive der Menschen vor Ort in den Mittelpunkt stellen. Wenn die Österreichische Ärztekammer und 2.092 Gemeinden aus allen Bundesländern an einem Strang ziehen, können wir konkrete Verbesserungen erreichen – für Patienten ebenso wie für die Ärzte, die tagtäglich für unsere Gesundheitsversorgung Verantwortung übernehmen“, sagt Sampl.
Webseite / Link: ÖSTERREICHISCHE ÄRZTEKAMMER

