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Konrad Lagger

Im Traum befindet sich Organisator Hermann Schwarz schon im Jahre 2029, im 100sten Jubiläumsjahr des Gaisbergrennens... dann ist er 85!

Am 6. September 1929 brausten erstmals kraftstrotzende Leichtbauboliden und archaisch filigrane Motorräder der damals renommiertesten Hersteller über die nahezu zwölf Kilometer lange Strecke und überwanden dabei fast 800 Höhenmeter, bevor sie knisternd und dampfend das Ziel auf der Gaisbergspitze erreichten.

Manfred von Brauchitsch auf Mercedes Benz SSK war mit einem Schnitt von 72 km/h Sieger der Tourenwagenwertung. Die Rennwagenklasse gewann Jiri Prinz Lobkowitz auf einem Bugatti.

Baron Franz Preuschen, der damalige Präsident des Salzburger Automobilclub ehrte auch den Sieger bei den Motorrädern, Peppi Walla, welcher seine Sunbeam in unglaublichen 8:15,9 min (Schnitt 85 km/h) über die Strecke jagte. Radiosprecher war Wolfgang von Karajan, des großen Dirigenten Herberts älterer Bruder.

Fritz-Huschke von Hanstein auf Porsche 1500 RS, Rudolf Caraciola auf Alfa Romeo´1750, Carlo Abarth, damals noch auf einem Sunbeam Beiwagengespann, waren die vielumjubelten Helden der Vorkriegsära, welche auch, gemeinsam mit Hans Stuck als „Herrenfahrer“ die Rennsportgeschichte prägten. Dieser Spirit vergangener Zeiten war beim Stadt Grand Prix vehement spürbar, als sich die stählernen Juwelen
der früheren Automobilgeschichte ihren Weg durch tausende oldtimerbegeisterter Zuseher, vom Residenzplatz zum Startbogen am Michaelistor, bahnten.

Bis heute vermengen sich Traum und Wirklichkeit auf schönste Art, das eine spiegelt sich im anderen.

Bestes Beipiel ist der smart-bescheidene Zahnarzt Florian Kunz, der mit seiner charmant-kessen Co-Pilotin Kathrin Zierhut das 15. Gaisberg-Revival souverän gewann. Kunz steuerte von der rechten Seite aus seinen chilterngrünen, 320 PS starken Aston Martin DB 4 zum bereits vierten Gesamtsieg. Bei diesem, von verchromten Speichenrädern getragenen Traum- Coupe´ verdichtete Touring-Designer Frederico Formenti britische Kraft und italienische Grandezza zu einem ästhetischen Kunstwerk, die schwebend-leichte Silhouette suggeriert Schwerelosigkeit, kostbar-glänzend, den Hauch von Adel verströmend. Ausreichend Power wuchtet das Kolben-Sixpack von Cosworth auf die geschmiedete und nitrierte Kurbelwelle des von Richard Stewart Williams gebauten 4,5 Liter großen „Reihensechser“. Die Spritzuteilung übernehmen drei SU-Doppelvergaser.

Ganz anders beschreibt sich der Lotus 17 von Oliver Hartmann. Nur 360 kg leicht mit einer 72 cm niedrigen Plastikkarosserie an Alubleche gehefet und über einen nur 23 kg leichten Gitterrohrrahmen gestülpt, Räder, Dierential- und Getriebegehäuse wurden aus Magnesium gegossen. Die Bremsklötze beißen auf vier Bremsscheiben von Girling, wie sie damals auch in der Formel 1 eingesetzt waren, gefedert wurde mit Mc- Pherson Beinen, die Kraft quoll aus dem 1,2 l kleinen Vollalu-Coventry-Climax- FWE Motor, welcher auch in ähnlicher Version Feuerwehrspritzen und Gabelstapler Verwendung fand.

Die gnadenlose Radikalität dieser Konstruktion von Colin Chapman rief teils wütende Proteste von Rennfahrern hervor, sie vermochten sich nicht auf die sinnhaftlogischen Wege des genialen Konstrukteus zu begeben. Der Lotus 17 ist kein geerdetsorgsam gebauter Rennwagen, Chapman war stets suchend nach dem Ideal wonach mehr Leistung ein Auto zwar schneller auf der Geraden macht, weniger Gewicht jedoch das Auto überall schneller macht. Graham Hills Anmerkung zum Lotus 17 „das Fahrverhalten ist lebensgefährlich“. Bekanntlich wurde auch Jochen Rindt Opfer des Chapman´schen Leichtbaufevels. Nur zehn Originale, von 23 je gebauten Lotus 17, existieren noch.

Ernst Piech ist charismatisch-würdiger Doyen einer der bedeutendsten europäischen Automobil-Dynastien. Fast seeligmachende Aufmerksamkeit erringt er stets, wenn er vom „Hochsitz“ seines Austro Daimler
Typ 28/32 „Maja“ aus dem Jahr 1908 die interessierten Schaulustigen grüsst.

Ein weiteres Fahrzeug aus Ernst Piechs Sammlung kam auch auf Gaisberg und dem mit unzähligen Mythen behafteten Salzburgring zum Einsatz . Zu Ruhezeiten im „fahr(T)raum“ Museum zu Mattsee beheimatet, orgelte der Austro Daimler Sport „Torpedo“ seine Feuerstöße kraftvoll und mezzoflutend durch die armdicken Auspuffrohre, den Klangsinn erfreuend in Hommage an den legendären“Bergkönig“ Hans Stuck, welcher diesen beeindruckenden, vor Kraft strotzenden Rennwagen 1929 auf eben jenen Gaisberg drosch. Als sich Austro Daimler 1930 aus dem Rennsport zurückzog, wechselte Hans Stuck zum Mercedes-Benz Rennteam, um vier Jahre danach auf Anhieb mit dem von Ferdinand Porsche konstruierten Grand Prix Rennwagen Auto Union „Typ A“ den GP von Deutschland und der Schweiz zu gewinnen.

Zu den treuesten Teilnehmern der nunmehr 15-jährigen Gaisberg-Geschichte gehört Helmut Eggert ( Porsche Holding ), so war er bei allen 15 Gaisbergrennen als Teilnehmer und Sponsor-Partner mit dabei, stets tatkräftig unterstützt von Klaus Bischof von der Porsche AG, Spezialist für Historische Rennwagen, welcher mit seinem privaten Porsche 911 Carrera Cabriolet in die Mozartstadt anreiste.

Den anerkennenden Dankesworten Dr. Gert Pierers an das Orga-Team, die Executive, die Streckensicherung und an alle Teilnehmer und Partner schließen wir uns gerne an.

MF&T freut sich jetzt schon auf das Gaisbergrennen 2018.


… von Konrad Lagger
Motorsport Classic auf Motor-Freizeit&Trends


30.06.2017

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